Verlängerung der Tramlinie 17 nach Ottobrunn

Die FDP im Landkreis München und ihr Landtagsabgeordneter Tobias Thalhammer schlagen derzeit eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 17 von der Schwanseestraße in Giesing nach Ottobrunn vor. Dadurch soll die Anbindung der folgenden Gebiete an den ÖPNV verbessert werden:

Die Idee wurde auf Vorträgen am 24. Juli 2013 in der Gaststätte Hufnagel in Altperlach und am 31. Juli 2013 in der Gaststätte Ayinger im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn vorgestellt. Allerdings ist diese Idee gar nicht neu, denn sie wurde bereits in einem Gutachten von Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing. P. Kirchhoff zur Machbarkeitsstudie für die Stadt-Umland-Bahn beschrieben.

Abgrenzung zur Stadt-Umland-Bahn

Die F.D.P. betont zwar, daß die Verlängerung der Tramlinie 17 nach Ottobrunn nichts mit dem bis vor rund 10 Jahren verfolgten Konzept einer Stadt-Umland-Bahn (SUB) zu tun hat, aber dies trifft nur für die Fahrzeuge und deren Technik zu. Die Tramlinie 17 bliebe eine reine Straßenbahn, die mit den bereits vorhandenen Fahrzeugen der Münchener Straßenbahn betrieben werden kann. Ein Einsatz von Zweisystemfahrzeugen, die sowohl auf Eisenbahnstrecken (S-Bahn) als auch auf Straßenbahnstrecken fahren können, ist im Unterschied zur SUB nicht vorgesehen. Allerdings wurde auch in der 2. Stufe der Machbarkeitsstufe der SUB von Zweisystemfahrzeugen weitestgehend Abstand genommen.

Hinsichtlich des möglichen Linienverlaufs sieht dies allerdings anders aus. Ein Blick auf Linienkarten der Machbarkeitsstudie zur SUB zeigt deutliche Übereinstimmungen mit damals bereits geplanten Linien. Die bei der SUB als Linie 14 in Stufe 1 bzw. Linie 3 in Stufe 2 untersuchte Linie beinhaltet die Linienführung durch Ottobrunn in Nord/Süd-Richtung und eine mögliche Verbindung vom Ludwig-Bölkow-Campus nach Taufkirchen. Bereits in einem Gutachten von Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing. P. Kirchhoff zur Machbarkeitsstudie für die Stadt-Umland-Bahn wurde auf Seite 64 in der Abbildung 6-12 eine Verlängerung der Tramlinie 17 von der Schwanseestraße über den Südfriedhofe, der gegenüber der geplanten Siedlung Hocächerstraße liegt, Neuperlach Süd nach Unterhaching über die Zwergerstraße und durch Ottobrunn nach Taufkirchen vorgeschlagen:

Vorschlag Prof. Kirchhoff

Der jetzige Vorschlag der FDP unterscheidet sich nur geringfügig von diesem früheren Vorschlag. Allerdings ist dieser, genau wie die Ideen der Stadt-Umland-Bahn, in den letzten Jahren fast in Vergessenheit geraten.

Trassenverlauf

Die FDP legt sich auf keine bestimmte Trasse fest. Auch die Gemeinde Taufkirchen hat Interesse an der Führung der Linie über ihr Gemeindegebiet bekundet. Entscheidend für den Verlauf ist die Stelle, an der die Autobahn A8 gequert wird. Vier mögliche Stellen wurden dafür im Vortrag von Tobias Thalhammer genannt:

Eine weitere Alternative ist eine Autobahn-Querung im Bereich des Campeon bzw. bei Unterbiberg.

Der Anschluß MVG-Straßenbahn-Hauptwerkstatt soll in Zukunft von der Schwanseestraße über die Ständlerstraße erfolgen und nicht mehr über die Betriebsstrecke in der Aschauer Straße.

Aus dem Vortrag und der anschließenden Diskussion ergeben sich die folgenden möglichen Trassenverläufe:

TrasseStändlerstraßeHochäckerstraßeAutobahn-TunnelTaufkirchen
Autobahnquerung Ständlerstraße Erweiterung der bestehenden Brücke über die Autobahn oder Neubau einer Straßenbahn-Brücke parallel dazu Verlauf über das Flugfeld am Nordrand des Autobahntunnels genaue Stelle offen
möglicher Trassenverlauf
  • von der Schwannseestraße über die Ständlerstraße unter der S-Bahn hindurch nach Osten bis zur Hofangerstraße
  • über die Ottobrunner Straße oder die Hofangerstraße und die Schmidbauerstraße nach Altperlach
  • von Altperlach südlich nach Unterbiberg (versch. Trassenverläufe möglich)
  • über die Zwergerstraße nach Osten bis zur Äußeren Hauptstraße
  • südlich nach Ottobrunn über Äußere Hauptstraße und Alte Landstraße/Rosenheimer Landstraße oder Haidgraben
  • über die Robert-Koch-Straße nach Westen bis zum Ludwig-Bölkow-Campus
  • möglicherweise Verlängerung ins Gewerbegebiet Brunnthal Nord
  • von der Schwannseestraße über die Ständlerstraße unter der S-Bahn hindurch nach Osten bis zur Balanstraße
  • Balanstraße nach Süden bis zur Hochäckerstraße
  • Hochäckerstraße nach Osten bis Altperlach
  • von Altperlach südlich nach Unterbiberg (versch. Trassenverläufe möglich)
  • über die Zwergerstraße nach Osten bis zur Äußeren Hauptstraße
  • südlich nach Ottobrunn über Äußere Hauptstraße und Alte Landstraße/Rosenheimer Landstraße oder Haidgraben
  • über die Robert-Koch-Straße nach Westen bis zum Ludwig-Bölkow-Campus
  • möglicherweise Verlängerung ins Gewerbegebiet Brunnthal Nord
  • von der Schwannseestraße über die Ständlerstraße unter der S-Bahn hindurch nach Osten bis zur Balanstraße
  • die Balanstraße in Richtung Süden
  • am Südrand der Universität der Bundeswehr entlang nach Osten bis zur Äußeren Hauptstraße ODER am Westrand der UniBw bis Unterbiberg, dann Zwergerstraße
  • südlich nach Ottobrunn über Äußere Hauptstraße und Alte Landstraße/Rosenheimer Landstraße oder Haidgraben
  • über die Robert-Koch-Straße nach Westen bis zum Ludwig-Bölkow-Campus
  • möglicherweise Verlängerung ins Gewerbegebiet Brunnthal Nord
  • von der Schwannseestraße über die Ständlerstraße unter der S-Bahn hindurch nach Osten bis ungefähr zur Balanstraße
  • nach Süden bis Unterhaching
  • weiter nach Süden bis Taufkirchen
  • Hohenbrunner Straße nach Osten bis zum Gewerbegebiet Brunnthal Nord
  • nach Norden zum Ludwig-Bölkow-Campus
  • Anbindung von Ottobrunn offen
Bewertung
  • schwierige Ausfädelung aus der Ständlerstraße
  • keine Anbindung der Siedlung Hochäckerstraße
  • Engstelle Tunnel Neubiberg
  • Anbindung aller o.g. Bereiche
  • Engstelle Tunnel Neubiberg
  • keine Anbindung der Siedlung Hochäckerstraße und von Altperlach
  • Anbindung des Stadions Unterhaching möglich
  • teilweise parallel zur S-Bahnlinie S3
  • Trasse grenzt an Landschaftspark
  • deutlicher Abstand zur U/S-Bahnstation Neuperlach Süd
  • Engstelle Tunnel Neubiberg
  • bindet viele der o.g. Gebiete nicht an
  • weitgehend parallele Streckenführung zur S3
  • längster Streckenverlauf
  • keine direkte Verbindung UniBwM - LBC
  • schwierige Trassenführung am Hohnbrunner Weg in Taufkirchen aufgrund Steigung und Bebauung
  • zur Anbindung von Ottobrunn ungeeignet

 

Strassenbahn

Linienführung in Ottobrunn

Im Rahmen der SUB-Machbarkeitsstudie wurde bereits eine Linienführung durch Ottobrunn entlang der Rosenheimer Landstraße genauer untersucht. Die FDP sieht dagegen eine Führung über den Haidgraben oder sogar westlich davon als Alternative an. Sogar ein Verlauf östlich der Rosenheimer Landstraße wird nicht ausgeschlossen.

TrasseHaidgrabenRosenheimer LandstraßeOst
Verlauf Über den Haidgraben oder westlich davon Variante 1:
entlang der Alten Landstraße und der Rosenheimer Landstraße
Variante 2:
bereits in Neubiberg über die Äußere Hauptstraße bis in die Nähe des Bahnhofes Neubiberg und dann über den Amalienweg (frühere Straße) zur Rosenheimer Landstraße
Anschluß nach Neuiberg offen. Friedenstraße, Rathausstraße, Pestalozzistraße bis zur Ottostraße. Danach wäre nur eine Führung durch kleine Nebenstraße möglich.
Einzugsgebiet Die Westseite der Trasse ist in weiten Bereich unbebaut. Dies reduziert die im Einzugsgebiet der Haltestellen liegenden Wohngelegenheiten und Arbeitsplätze deutlich. Einige wichtige Objekte sind die Kindertageseinrichtungen am Haidgraben, die Tyco-Fabrik und der Sportpark Ottobrunn. Dies ist die Haupterschließungsachse in Ottobrunn. Auf beiden Seite der Trasse ist das Einzugsgebiet dicht bebaut. Selbst der Haidgraben gehört zum westlichen Rand des Einzugsgebietes. Das Einzugsgebiet einer östlichen Trasse überlappt sich mit dem der S-Bahn-Linie S7.
Bewertung
  • Zu geringes Einzugsgebiet da am Westrand der Bebauung gelegen.
  • Trassierung westlich des Haidgraben ist schwierig.
  • Keine Anbindung der Robert-Koch-Straße an die Ortsmitte
  • Sehr großes Einzugsgebiet, da Hauptverkehrsachse.
  • Straßenbahn planerisch beim Umbau der Rosenheimer Landstraße bereits vorgesehen.
  • Ersatz der Busline 210 möglich.
  • Größter NUtzen für den Innerortsverkehr
Schwierige Trassierung, insbesondere im südlichen Bereich von Ottobrunn bzw. Riemerling. Keine optimal Lage des Einzugsgebietes.

Bei fast allen Trassenvarianten stellt die nördliche Einführung nach Ottobrunn ein Problem dar. Der Tunnel Neubiberg ist für eine Straßenbahn zu schmal und möglicherweise auch zu niedrig. Eine Umfahrung unter Anbindung der Haltestelle Werner-Heisenberg-Weg ist nur schwierig zu realisieren.

Die Anordnung der Haltestellen in Ottobrunn könnte zu einer Reduzierung der Anzahl führen. So würden Fahrzeit- und Komfortgewinne einer Straßenbahn möglicherweise mit längeren Fußwegen zu den Haltestellen erkauft werden.

Umsteigepunkte zum Schnellverkehr (U-/S-Bahn)

Je nach Trassenführung der Tramlinie 17 kann es verschiedene Umsteigepunkte zu S- und U-Bahn-Linien geben:

HaltestelleU-/S-Bahn-LinienBemerkung
GiesingS3, S7, U2, U7Dieser bestehende Umsteigepunkt könnte mit der Tramlinie 17 aus dem Süden bequem erreicht werden. Von der Ortsmitte Ottobrunn in 10 Minuten.
Neuperlach SüdS7, U5Dieser Umsteigepunkt ist wahrscheinlich nur über eine Schleifenfahrt zu erreichen. Seine Einrichtung ist nicht sicher.
NeubibergS7Dieser Umsteigepunkt ließe sich nur mit einer kleinen Schleife in Neubiberg erreichen. Er stellt eine Alternative zur Anbindung von Neuperlach Süd dar, bietet aber im Vergleich deutlich schlechtere Anschlüsse.
FasangartenS3Dieser Umsteigepunkt ließe sich nur bei einer Trassenführung über den Autobahntunnel oder Taufkirchen erreichen.
FasanenparkS3Dieser Umsteigepunkt ließe sich nur bei einer Trassenführung über den Autobahntunnel oder Taufkirchen erreichen.
UnterhachingS3Dieser Umsteigepunkt ließe sich nur bei einer Trassenführung über den Autobahntunnel oder Taufkirchen erreichen.
TaufkirchenS3Dieser Umsteigepunkt ließe sich nur bei einer Trassenführung über Taufkirchen erreichen.

Anbindung von Neuperlach Süd

Laut der FDP soll die Tramlinie 17 eine weitere Fahrmöglichkeit in die Stadt darstellen und würde so die S-Bahn-Linie S7 und die U-Bahn-Linie U5 ergänzen. Die Fahrgäste aus Neubiberg und Ottobrunn sollten aber weiterhin eine Wahlmöglichkeit besitzen. Die Nutzung der S7 oder der U5 kann für manche Fahrgäste vorteilhaft sein, wenn sich ihr Fahrziel entlang dieser Linien befindet. Hier ist insbesondere das Einkaufszentrum PEP in Neuperlach zu erwähnen. Dazu muß der Umsteigepunkt Neuperlach Süd unverändert gut erreichbar sein. Eine Anbindung von Neuperlach Süd mittels einer Buslinie, die auf einem langen Abschnitt parallel und alternierend zu einer Straßenbahnlinie verkehrt, erscheint aber kaum vorstellbar.

Die Anbindung an den Bahnhof Neubiberg wäre nur ein schwacher Ersatz, da dort nur die S-Bahn-Linie S7 verkehrt, aber nicht die U-Bahn. Die Situation würde sich anders darstellen, wenn möglicherweise im Zuge der Errichtung eines neuen U-Bahn-Betriebshofs in Neuperlach Süd die U-Bahn ein Stück nach Süden verlängert werden könnte.

Die Anbindung von Neuperlach Süd könnte zu einer Teilung in zwei Linien führen. Die Tramlinie 17 würde dann in Neuperlach Süd enden. Eine zweite Linie würde dann von Neuperlach Süd nach Ottobrunn verkehren. Das Projekt ließ sich dann auch in zwei Bauabschnitten realisieren.

Ersatz von Buslinien

Durch den Bau der Tramlinie 17 könnten einige Buslinien ersetzt werden.

BuslinieBereich
210Ottobrunn, Rosenheimer Landstraße, Robert-Koch-Straße
217/218Unterbiberg/Neubiberg

Stand des Projektes

Bislang ist keine Abstimmung mit dem in Entstehung befindlichen Nahverkehrsplan des Landkreises Müchen erfolgt. Der Kreistag und der Landtag unterstützen die Planung. Derzeit erstellen MVG und MVV Bewertungen. Der nächster Schritt wäre die Erstellung eines Gutachtens für rund 50.000 Euro.

Links

ottobrunner.info: Kammer und Thalhammer für Verlängerung der Tram 17 nach Ottobrunn

Bayerischer Landtag: Vorgangsmappe für die Drucksache 16/17514 "Bessere Verkehrsanbindung der südöstlichen Gemeinden im Landkreis München"

 


Dr. Thomas Diessel, 18.08.2013

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